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Klaus Berndl

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Fuminori Nakamura – Der Dieb

Fuminori Nakamura - Der Dieb: ist ein kleiner, schlanker Krimi. Umstandslos erzählt, stringent. Unterhaltsam. Die 210 Seiten hat man in spätestens zwei Tagen durch. Strandkorblektüre. Das ist „internationale“ Literatur – hat nichts Japanspezifisches an sich, sieht man von den drei Wörtern Yakuza, Pachinko und Onigiri ab – von denen das bekannteste überflüssigerweise erklärt wird, die anderen jedoch nicht, und die muss man nicht einmal verstehen, um das Buch verstehen zu können. In der Kürze liegt die Würze? Wenn man das Buch mit Lektorenblick liest, sieht man schon einiges, was nicht sein muss, an sprachlichen Klischees (aber gilt diese Kategorie – bei einem japanischen Autor? Ist in Japan Klischee, was es bei uns ist? Wer ist verantwortlich dafür, de

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Ocean Vuong – Auf Erden sind wir kurz grandios

Ocean Vuong - Auf Erden sind wir kurz grandios Ocean Vuong - Auf Erden sind wir kurz grandios. Wie konnte das passieren: Da habe ich doch tatsächlich mal ein Buch gelesen, das „jeder“ liest. Wie das Leben so spielt: Wenn man auf einer Ferieninsel in einer „normalen“ Buchhandlung ein Buch mit (auch) schwuler Thematik liegen sieht … dann freut man sich, überlegt sich kurz, ob man es liegen lässt, damit es ein anderer Interessent kaufen kann, und denkt sich dann, nö, lieber selber, damit die Buchhändlerin merkt, dass da auch eine Nachfrage ist. Und schwupps liest Klaus einmal aktuelle Literatur. Dies nur zur Erklärung. Das Lob Das Buch wird flächendeckend so hoch gelobt, dass ich dazu gar nichts mehr sagen muss, außer: Schließe mich an. Die Kritik I

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Robert Louis Stevenson – Der merkwürdige Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Ein Klassiker der „Schauerliteratur“, neu übersetzt von Mirko Bonné und illustriert von Robert de Rijn – ein schönes Buch, ein Buch für Bücherliebhaber. So ein altes Buch lesen? Lohnt es sich, ein so altes Buch „noch einmal“ zu lesen, eine Schauergeschichte, deren Plot jeder kennt? Beide Aspekte bergen ihre Schwierigkeiten. Zunächst einmal: Wenn der zentrale Punkt der Geschichte, die Verwandlung von Jekyll in Hyde, bekannt ist, funktioniert die Erzählung nicht mehr. Das Rätselhafte ist verlorengegangen – das Rätsel von vornherein gelöst – und da Stevenson hieraus einen guten Teil der Spannung zieht, verpufft die Erzählung. (Oder ist es eine Novelle? Egal.) Hierin muss das Buch heute enttäuschen, unabhängig von der Leistung seines Autors. Wie hat man

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Ismail Kadare – Die Pyramide

Ismail Kadaré – Die Pyramide Geschrieben in Tirana und Paris 1988 bis 1992, also in der Umbruchzeit von der kommunistischen Diktatur zur „Demokratie“. Ein „historischer Roman“ – wie man „historische“ Romane schrieb, die Parabeln sein sollten. Also: Die Vergangenheit wird so hingebogen, dass sie die Aussage trägt, die man über die Gegenwart tätigen will. Historischer Roman? *Stöhn!* Statt dass man sich ein Beispiel aus der Geschichte sucht, das wirklich passt … also, wer ein Wiederaufleben der Geschichte, der Alten Ägypter mit Cheops und Chefren zu lesen wünscht, der wird von diesem Buch enttäuscht werden. Die Pyramide Die Pyramide ist ein Bauprojekt, ein Zukunftsprojekt, das dazu dient, die Bürger zu unterdrücken, und das Tausende von Todesopfe

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Götz Aly – Europa gegen die Juden

Götz Aly - Europa gegen die Juden. 1880-1945. Ein fürchterliches Buch; ich habe ein Jahr pausieren müssen, um es zuende lesen zu können. Eine endlose Kette von genau geschilderten Schikanen und Exzessen. – Ein bemerkenswertes Buch; das Wissen über die hier gesammelten Fakten verdient einen Platz in der Allgemeinbildung. Antisemitismus allerorten Wer sich schon mit dem Nationalsozialismus und der deutschen Judenverfolgung auseinandergesetzt hat, der wird hier wirklich überrascht. Und zwar dadurch, wo überall Antisemitismus herrschte – und wie er sich äußerte, wie brutal und wie rücksichtslos, und wie ähnlich zu Deutschland 1933 ff. Dagegen erscheint Deutschland bis 1933 doch sehr moderat. Und was dann in Deutschland folgte, reihte sich 1:1 in die gesamteuropäische

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Laura Spinney – 1918. Die Welt im Fieber

Laura Spinney – 1918. Die Welt im Fieber. Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte. Ein Winterthema – in den Bussen und Bahnen husten und schwitzen die Menschen … und ein Thema, das unbedingt in den Zusammenhang der Novemberstudien zum Jahr 1918 gehört. Hat doch die Grippe den Kurzzeit-Reichskanzler Max von Baden in entscheidenden Augenblicken lahmgelegt. Neben Kriegsende und Revolution ist sie das dritte prägende Element dieser Zeit. Die Bedeutung der Spanischen Grippe Die Grippe also, ein Grippestamm, der die Menschheit unvorbereitet traf, und da Geschichte nach wie vor überwiegend in den westlichen Ländern geschrieben wird, war sie bislang wenig beachtet, verglichen mit ihrer Bedeutung. Denn: Einzig in Europa starben im Ersten Weltkrieg mehr Menschen als

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Hirschfeld/Krumeich/Renz (Hg.) – 1918

Hirschfeld/Krumeich/Renz (Hg.) – 1918. Die Deutschen zwischen Weltkrieg und Revolution. Die renommierten Forscher haben als Autorentrio bereits mehrere wichtige und Standardwerke zum ersten Weltkrieg herausgebracht. Dieser Band setzt die Reihe fort, indem er zentrale und symptomatische Quellenzeugnisse sammelt, chronologisch und thematisch in Hoffnung, Enttäuschung, Niederlage und Revolution geordnet. Ergänzt durch einen Erinnerungsabschnitt von Sebastian Haffner, der diese Zeit in einen subjektiven Zusammenhang bringt, in der kommentierenden Retrospektive. Der Leser erlebt so einen Wirbelsturm der Gefühle, die dieses Jahr mit sich brachte. Der Hintergrund Zwei Essays rahmen die Sammlung ein, von denen der erste die Quellen in einen Zusammenhang bringt, also, die Geschichte

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Aram Mattioli – Verlorene Welten

Aram Mattioli – Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas. Verlorene Welten. Eines der interessanten Geschichtsbücher der letzten Jahre. Und ein Lehrstück über Ignoranz und Gier, die zu Hass und Blindheitführt. Wobei der Titel des Buches zu weit greift: Es handelt sich um eineGeschichte der Verfolgung und Vernichtung der „First People“ Nordamerikas,nicht um ihre gesamte Geschichte. Verlorene Welten Sicher eines der meistbesprochenen Geschichtsbücher der letzten Zeit, sodass sicher schon alles gesagt ist. Mich hat das Buch stummgemacht. Stumm angesichts von so viel unverfrorener Gier. Das US-amerikanische Projekt: So hat es funktioniert. Hier wird die Grundlage der Erfolgsgeschichte der Vereinigten Staaten von Amerika aufgeschlüsselt: Nur weil die rec

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Margaret MacMillan – Die Friedensmacher

Margaret MacMillan - Die Friedensmacher. Wie der Versailler Vertrag die Welt veränderte In das Lob dieses preisgekrönten Werks mag ich nicht einstimmen. Dieses Opus magnum enttäuscht viele Erwartungen. Erste Erwartung: etwas über die Hintergründe, über die Entstehung einzelner Regelungen und Grenzziehungen zu erfahren. Das bleibt aber sehr an der Oberfläche. Die Themen sind wohl auch einfach zu komplex, um sie im Rahmen einer einzelnen Arbeit über den gesamten Vertrag aufzuarbeiten. Damit aber ist der Ansatz bzw. Anspruch dieser Arbeit verfehlt. Zweite Erwartung: etwas über die unmittelbaren Folgen der Regelungen, sobald sie durchgesickert waren, zu erfahren – und mögliche Rückwirkungen. Bleibt sehr, allzu sehr am Rande. Wer sind die "Friedensmacher"? Dritte Erwartung: etwas

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Robert Gerwarth – Die Besiegten

Robert Gerwarth – Die Besiegten. Das blutige Erbe des Ersten Weltkriegs. Geschichtsschreibung, besser geschrieben als mancher Roman. Kein Wunder, dass das Buch zum (Spiegel-)Bestseller wurde. Dabei liefert es für deutsche Leser eigentlich nichts Neues – vieles las man schon woanders – neu ist nur die Zusammenstellung in einem Werk. Der Hauptreiz, den das Buch (zuerst auf Englisch erschienen) für die angelsächsische Welt hatte, also der Wechsel zur Perspektive der Besiegten, entfällt hierzulande logischerweise. Dafür der Blick auf Europa als Ganzes für den Zeitraum 1917-1923. [caption id="attachment_252" align="alignnone" width="197"] Die Besiegten von Robert Gerwarth[/caption] Wie der Weltkrieg beendet wurde Das erste Viertel des Buches wagt einen Abriss der Jahre 1917 bis 1

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