Klaus Berndl

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Aram Mattioli – Verlorene Welten

Aram Mattioli – Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas. Verlorene Welten. Eines der interessanten Geschichtsbücher der letzten Jahre. Und ein Lehrstück über Ignoranz und Gier, die zu Hass und Blindheitführt. Wobei der Titel des Buches zu weit greift: Es handelt sich um eineGeschichte der Verfolgung und Vernichtung der „First People“ Nordamerikas,nicht um ihre gesamte Geschichte. Verlorene Welten Sicher eines der meistbesprochenen Geschichtsbücher der letzten Zeit, sodass sicher schon alles gesagt ist. Mich hat das Buch stummgemacht. Stumm angesichts von so viel unverfrorener Gier. Das US-amerikanische Projekt: So hat es funktioniert. Hier wird die Grundlage der Erfolgsgeschichte der Vereinigten Staaten von Amerika aufgeschlüsselt: Nur weil die rec

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Margaret MacMillan – Die Friedensmacher

Margaret MacMillan - Die Friedensmacher. Wie der Versailler Vertrag die Welt veränderte In das Lob dieses preisgekrönten Werks mag ich nicht einstimmen. Dieses Opus magnum enttäuscht viele Erwartungen. Erste Erwartung: etwas über die Hintergründe, über die Entstehung einzelner Regelungen und Grenzziehungen zu erfahren. Das bleibt aber sehr an der Oberfläche. Die Themen sind wohl auch einfach zu komplex, um sie im Rahmen einer einzelnen Arbeit über den gesamten Vertrag aufzuarbeiten. Damit aber ist der Ansatz bzw. Anspruch dieser Arbeit verfehlt. Zweite Erwartung: etwas über die unmittelbaren Folgen der Regelungen, sobald sie durchgesickert waren, zu erfahren – und mögliche Rückwirkungen. Bleibt sehr, allzu sehr am Rande. Wer sind die "Friedensmacher"? Dritte Erwartung: etwas

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Robert Gerwarth – Die Besiegten

Robert Gerwarth – Die Besiegten. Das blutige Erbe des Ersten Weltkriegs. Geschichtsschreibung, besser geschrieben als mancher Roman. Kein Wunder, dass das Buch zum (Spiegel-)Bestseller wurde. Dabei liefert es für deutsche Leser eigentlich nichts Neues – vieles las man schon woanders – neu ist nur die Zusammenstellung in einem Werk. Der Hauptreiz, den das Buch (zuerst auf Englisch erschienen) für die angelsächsische Welt hatte, also der Wechsel zur Perspektive der Besiegten, entfällt hierzulande logischerweise. Dafür der Blick auf Europa als Ganzes für den Zeitraum 1917-1923. [caption id="attachment_252" align="alignnone" width="197"] Die Besiegten von Robert Gerwarth[/caption] Wie der Weltkrieg beendet wurde Das erste Viertel des Buches wagt einen Abriss der Jahre 191

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Catherine Merridale – Lenins Zug

Catherine Merridale - Lenins Zug. Eine Reise in die Revolution. Ein Buch über die Fahrt von Lenin und seinen Genossen in einem plombierten Zug 1917 durch Deutschland über Schweden und Finnland nach Russland, wo sich Lenin dann in der Revolution engagierte. Ein auffallendes Einzelereignis wird herausgegriffen, um an ihm historische Zusammenhänge zu exemplifizieren und zu erläutern. Das ist die historiographische Mode der Gegenwart: So entstehen Werke, die buchmarktgängig sind, wenn sie zu den entsprechenden Jubiläen erscheinen. Gut verkäuflich, denn sie liefern den interessierten Leserinnen und Lesern die gewünschten Hintergrundinformationen in geballter Form, die die Dokudramas im Fernsehen nicht liefern können (oder wollen), und so muss sich niemand durch eine „Geschichte Russ

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Andreas Wirsching (Hg.) – Weimarer Verhältnisse?

Andreas Wirsching, Berthold Kohler, Ulrich Wilhelm (Hg.) – Weimarer Verhältnisse? Historische Lektionen für unsere Demokratie. Nach der Bayern- und der Hessenwahl 2018 und vor dem hundertjährigen Revolutionsjubiläum im November die passende Lektüre. Andreas Wirsching (Hg.) - Weimarer Verhältnisse? Das ist: Ein Aufsatzbändchen, das eine Artikelserie sammelt - eine Koproduktion des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, des Bayerischen Rundfunks und der F. A. Z.: Also einerseits klassische Zweitverwertung, wie sie Historiker nicht ungern betreiben (nach dem Motto publish or perish), andererseits aber eine Sammlung der Artikel in willkommener Vollständigkeit. Und: Hier äußert sich die Prominenz deutscher Historiker/Politikwissenschaftler wie Horst Möller, Ute Daniel, Herfried

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Heiko Holste – Warum Weimar?

Heiko Holste - Warum Weimar? Wie Deutschlands erste Republik zum Geburtsort kam. Eine Frage, auf die man erst einmal gar nicht kommt: Warum Weimar? Warum eigentlich nicht Eisenach? Oder: Regensburg? Regensburg als Stadt des immerwährenden Reichstages wäre ebenfalls als Sitz der Verfassunggebenden Nationalversammlung 1919 prädestiniert gewesen, wie auch Frankfurt am Main. Warum also hat man die Weimarer Republik in Weimar gegründet? In der Schule haben wir noch gelernt, die Konstituante sei aus zwei Gründen nach Weimar ausgewichen: erstens, um demonstrativ an den Geist von Goethe, Schiller und Konsorten anzuknüpfen, in Abgrenzung vom militaristischen Kaiserreich, und also einen Neuanfang zu wagen. Zweitens, aus Angst, die Versammlung könnte von der Spartakusgruppe ges

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Victor Klemperer – Man möchte immer weinen und lachen in einem

Victor Klemperer - Man möchte immer weinen und lachen in einem. Revolutionstagebuch 1919. Berlin: Aufbau, 2015. Ein Originalton aus der Revolution, aus der Münchner Räterepublik im Frühling 1919. Ein Quellentext lässt sich eigentlich nicht rezensieren, aber man kann hervorheben, warum er lesenswert ist: Klemperer empfand die Räterepublik als "politischen Fasching" - bis sie brutal niedergeworfen wurde. In erster Linie aufgrund des Bildes des Alltags, das hindurchscheint. Das Leben in München war im Frühjahr 1919 eigentlich ganz „normal“ – abgesehen von der Nahrungsmittelknappheit usw. – und auch von der Gründung der Räterepublik war wenig zu merken, geschweige denn von ihrer Regierung. Es zeigt sich, dass die Münchner Räteregierung von Dilettanten gebildet worde

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Mark Jones – Am Anfang war Gewalt

Mark Jones - Am Anfang war Gewalt. Die deutsche Revolution 1918/19 und der Beginn der Weimarer Republik. Mark Jones hat hier ein interessantes Unterfangen unternommen: Die wenigen Monate vom Ausbruch der Revolution im November 1918 bis zum März 1919 nach Gewalttaten zu untersuchen. Dabei stellt er sich zwei Fragen: Wie war es wirklich – was heißt: Was lässt sich nach Aktenlage heute noch über die Geschehnisse sagen? Hierbei zieht er auch Quellen heran, die bislang nicht beachtet worden sind. Und zweitens, wie wurden die Geschehnisse in der Presse wiedergegeben, von der Politik aufgegriffen und zur Motivierung welcher Reaktionen/Handlungen genutzt? Eigentlich ist das historiographische Grundlagenarbeit, und betrachtet man die Ergebnisse seines Werkes, erstaunt es, dass die

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Regina Hilber – Palas

Regina Hilber - Palas Burgschreiber/-innen zu Beeskow: Jeder aus dieser Zunft hat sich mit Stadt und Land auseinandergesetzt und seine Eindrücke in Buchstaben zusammengesetzt. Regina Hilber hat nun die ihren in dem Band PALAS veröffentlicht: Regina Hilber - Palas. Sie hatte mich gebeten, hierzu ein Nachwort zu verfassen. Es fand dann leider wegen thematischer Überschneidungen keine Aufnahme in den Band. Was nichts anderes heißt als: Es eignet sich hervorragend als Vorankündigung. Es ist mir eine Ehre! Regina Hilber - Palas Nachwort heißt Abschied. Heißt Ende. Am letzten Tag ihrer Burgschreiberinnen-Zeit stellte Regina Hilber ihre „Beeskower Burgprotokolle“ in den frisch renovierten Ausstellungsräumen der Beeskower Burg vor. In Text wie Ort spiegelte sich auch

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Kurzkrimi-Seminar: Wir helfen den Texten auf die Sprünge!

... und noch einmal Kriminalistisches: Nora Lachmann und ich veranstalten ein Kurzkrimi-Seminar. Also ein Seminar, in dem wir Kurzgeschichten mit Gesetzesverstößen als Thema auf Herz und Nieren prüfen und dabei helfen, sie immer weiter zu verbessern. Getreu dem Motto: Je besser der Text, desto besser die Chancen. Und die Chance ist der KaroKurzkrimiPreis. Häufig wird der Kurzkrimi auf den Plot, auf eine spannende Handlung reduziert. Das führt dazu, dass die literarische Arbeit vernachlässigt wird. Die Folge davon ist wiederum, dass das Werk hinter den Erwartungen zurückbleibt, womöglich unveröffentlicht bleibt – egal, wie originell die Grundidee ist. Dass muss aber nicht sein. Kurzkrimi-Seminar Eine gute Geschichte braucht glaubhafte Figuren, eine Handlung, die die Lesenden

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